Bei welcher Geschwindigkeit löst der Airbag aus?


Von Airbag24
4 Min. Lesezeit

Bei welcher Geschwindigkeit löst der Airbag aus?

Der Airbag löst nicht bei einer bestimmten Fahrgeschwindigkeit aus, sondern bei einer bestimmten Verzögerung (Abbremsung). Bei einem Frontalaufprall auf eine starre Wand liegt die Auslöseschwelle bei etwa 25 bis 30 km/h Aufprallgeschwindigkeit. Entscheidend ist die Heftigkeit des Aufpralls – nicht das Tempo vor dem Crash.

Ein weit verbreiteter Irrtum: Viele denken, der Airbag löst ab einer festen Geschwindigkeit aus – etwa ab 30 oder 50 km/h. In Wahrheit misst das Steuergerät die Verzögerung (negative Beschleunigung) in g. Nur wenn diese Verzögerung einen Schwellenwert über einen bestimmten Zeitraum überschreitet, wird der Airbag gezündet.

Warum ist die Geschwindigkeit nicht entscheidend?

Die Aufprallschwere hängt von der Geschwindigkeitsdifferenz beim Aufprall ab, nicht von der Fahrgeschwindigkeit. Ein Auto mit 150 km/h, das auf ein mit 130 km/h fahrendes Fahrzeug auffährt, erfährt nur eine Differenz von 20 km/h – der Airbag löst möglicherweise nicht aus. Ein Aufprall mit 30 km/h auf eine Betonwand ist hingegen deutlich heftiger.

Szenario Fahrgeschwindigkeit Geschwindigkeitsänderung Airbag-Auslösung?
Frontal gegen Betonwand 30 km/h 30 km/h (sofort auf 0) Ja
Auffahrunfall auf stehendes Auto 40 km/h ca. 20-25 km/h (Auto wird geschoben) Möglich
Auffahrunfall auf fahrendes Auto 150 km/h auf 130 km/h ca. 15-20 km/h Unwahrscheinlich
Frontal gegen Baum 40 km/h 40 km/h (starres Hindernis) Ja
Seitlich gegen Leitplanke 80 km/h Gering (Leitplanke gibt nach) Nein (Seitenairbag möglich)

Was misst der Crashsensor genau?

Der Crashsensor (Beschleunigungssensor) misst die Verzögerung in der Einheit g (Erdbeschleunigung). Die Auslöseschwelle liegt bei etwa 3 bis 5 g – das bedeutet, das Fahrzeug muss mit dem 3- bis 5-fachen der Erdbeschleunigung abgebremst werden. Erst wenn mindestens zwei unabhängige Sensoren diesen Wert bestätigen, löst das Steuergerät den Airbag aus.

Die Plausibilitätsprüfung durch mehrere Sensoren ist eine wichtige Sicherheitsmaßnahme: Sie verhindert Fehlauslösungen durch Schlaglöcher, Bordsteinkanten oder einzelne Sensordefekte. Nur bei einem echten Aufprall melden alle relevanten Sensoren gleichzeitig hohe Verzögerungswerte.

Zeitfenster der Messung

Der Sensor misst nicht nur den Spitzenwert der Verzögerung, sondern auch die Dauer. Ein kurzer, harter Schlag (z. B. Schlagloch) erzeugt zwar hohe g-Werte, aber nur für Bruchteile einer Millisekunde. Ein echter Aufprall dauert typisch 50-100 Millisekunden mit anhaltend hoher Verzögerung – dieses Muster erkennt das Steuergerät.

Schweregrade bei der Airbag-Auslösung

Moderne Airbag-Steuergeräte unterscheiden vier Schweregrade eines Aufpralls und passen die Auslösung entsprechend an. Bei einem leichten Aufprall (Schweregrad 0) wird kein Airbag gezündet, bei einem sehr schweren (Schweregrad 3) werden alle verfügbaren Rückhaltemittel in voller Stärke aktiviert.

Schweregrad Unfallstärke Airbag-Reaktion
0 Leichter Aufprall / Parkrempler Keine Auslösung
1 Mittlerer Aufprall Gurtstraffer + ggf. 1. Airbagstufe
2 Schwerer Aufprall Gurtstraffer + Airbags 1. Stufe
3 Sehr schwerer Aufprall Alle Rückhaltemittel, beide Airbagstufen

Zweistufige Airbags (Standard bei modernen Fahrzeugen) können die Aufblasgeschwindigkeit und -kraft an die Unfallschwere anpassen. Bei einem mittleren Aufprall wird nur die erste Stufe gezündet – das schützt vor Verletzungen durch den Airbag selbst bei leichteren Unfällen.

Welche Faktoren beeinflussen die Auslösung?

Die Airbag-Auslösung wird beeinflusst durch die Art des Hindernisses (starr vs. nachgiebig), den Auftreffwinkel, die Geschwindigkeitsänderung beim Aufprall, ob der Insasse angeschnallt ist und die Sitzbelegung. Das Steuergerät verarbeitet alle diese Daten in Millisekunden, bevor es die Auslöseentscheidung trifft.

  • Art des Hindernisses: Betonwand vs. Leitplanke vs. anderes Fahrzeug – je nachgiebiger, desto geringer die Verzögerung
  • Auftreffwinkel: Frontal, versetzt, seitlich – bestimmt, welche Sensoren ansprechen
  • Geschwindigkeitsdifferenz: Nur die Änderung zählt, nicht die absolute Geschwindigkeit
  • Gurtschloss-Status: Bei nicht angeschnalltem Fahrer kann die Auslöseschwelle anders sein
  • Sitzbelegung: Beifahrerairbag nur bei belegtem Sitz (Sitzbelegungsmatte)

Häufige Fragen zur Airbag-Auslösegeschwindigkeit

Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Auslösung von Airbags.

Kann der Airbag auch bei Schrittgeschwindigkeit auslösen?

Theoretisch ja – wenn die Verzögerung hoch genug ist. Ein Aufprall mit 15-20 km/h auf ein absolut starres Hindernis (z. B. Betonpoller) kann bereits ausreichen. Bei typischen Parkremplern mit 5-10 km/h ist die Verzögerung jedoch zu gering.

Löst der Airbag bei einem Überschlag aus?

Moderne Fahrzeuge haben Überschlagssensoren (Gyroskop), die einen Überschlag erkennen. In diesem Fall werden Vorhangairbags und Gurtstraffer aktiviert, um die Insassen vor Kopfverletzungen zu schützen – auch ohne klassischen Frontalaufprall.

Warum hat der Airbag bei meinem Unfall nicht ausgelöst?

Die häufigsten Gründe: Die Verzögerung war zu gering (z. B. Auffahrunfall mit geringer Differenzgeschwindigkeit), der Aufprallwinkel war ungünstig (seitlich statt frontal) oder das Hindernis war zu nachgiebig. Das bedeutet nicht, dass das System defekt ist – es hat korrekt entschieden, dass kein Airbag nötig war.

Speichert das Steuergerät Daten auch ohne Airbag-Auslösung?

Ja. Auch bei leichteren Aufprällen, bei denen der Airbag nicht auslöst, können Crash-Daten im Steuergerät gespeichert werden. Diese können die Airbag-Warnleuchte aktivieren und müssen durch einen Fachbetrieb gelöscht werden. Airbag24 bietet diese Reparatur für alle Marken und Modelle an.


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