Was löst Airbags aus?


Von Airbag24
4 Min. Lesezeit

Was löst den Airbag aus?

Der Airbag wird durch das Airbag-Steuergerät ausgelöst, wenn Crashsensoren eine Verzögerung von mindestens 3 bis 5 g messen und die berechnete Geschwindigkeitsänderung einen Schwellenwert von etwa 25–30 km/h überschreitet. Entscheidend ist nicht die Fahrgeschwindigkeit, sondern die Härte des Aufpralls.

Das Steuergerät trifft die Entscheidung über Auslösung oder Nicht-Auslösung (Fire/Non-Fire) innerhalb weniger Millisekunden. Dabei wertet es Daten von mehreren unabhängigen Sensoren aus und führt eine Plausibilitätsprüfung durch.

Welche Sensoren lösen den Airbag aus?

Beschleunigungssensoren im Steuergerät und Frontsensoren im Vorderwagenbereich messen die Aufprallverzögerung. Drucksensoren in den Türen erkennen seitliche Kollisionen für den Seitenairbag. Mindestens zwei unabhängige Sensoren müssen übereinstimmen, bevor der Airbag zündet.

Die verschiedenen Sensortypen im Überblick:

Sensor Position Funktion
Beschleunigungssensor Im Steuergerät (Mittelkonsole) Misst Verzögerung bei Frontal- und Heckaufprall
Frontsensor Vorderwagen / Motorraum Erkennt Frontalcrash frühzeitig
Drucksensor In den Türen Erkennt Seitenkollision durch Druckanstieg
Safing-Sensor Im Steuergerät Verhindert versehentliche Auslösung

Safing-Sensor: Die Sicherheitsstufe

Der Safing-Sensor ist eine zusätzliche Sicherheitsinstanz. Nur wenn sowohl ein Crashsensor als auch der Safing-Sensor eine Kollision erkennen, wird der Airbag gezündet. So wird verhindert, dass ein einzelner defekter Sensor eine Fehlauslösung verursacht.

Wie entscheidet das Steuergerät über die Auslösung?

Das Airbag-Steuergerät misst die Fahrzeugverzögerung im 1-Millisekunden-Takt. Bei Überschreiten von 2 g startet ein Rechenzyklus, der die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung berechnet. Dieser Integralwert ist das unmittelbare Kriterium für die Zündentscheidung.

Der Ablauf im Detail:

  1. Messung: Sensoren erfassen die Verzögerung kontinuierlich
  2. Schwellenwert: Bei über 2 g beginnt die Crash-Berechnung
  3. Integration: Geschwindigkeitsänderung wird aus den Sensordaten berechnet
  4. Plausibilitätsprüfung: Mehrere Sensoren müssen übereinstimmen
  5. Entscheidung: Fire (Auslösung) oder Non-Fire (keine Auslösung)
  6. Zündung: Elektrisches Signal an den Gasgenerator

Zusätzlich wertet das Steuergerät weitere Fahrzeugdaten aus: Motorlast, ESP-Signale, Lenkwinkel und Bremszustand. So kann es die Art des Unfalls besser einordnen.

Bei welcher Geschwindigkeit löst der Airbag aus?

Frontairbags lösen bei einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung von etwa 25–30 km/h aus – das entspricht einem Aufprall mit dieser Geschwindigkeit gegen eine starre Wand. Laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erfolgt die Auslösung in 50 % der Fälle bereits ab 20 km/h.

Wichtig: Es zählt die Differenzgeschwindigkeit beim Aufprall, nicht die Fahrgeschwindigkeit. Ein Auto, das mit 100 km/h gegen eine Leitplanke streift, löst möglicherweise keinen Airbag aus – aber ein Aufprall mit 30 km/h gegen einen Baum schon.

Warum löst der Airbag manchmal nicht aus?

Weiche Hindernisse wie Leitplanken oder parkende Autos bremsen das Fahrzeug langsamer ab. Die Verzögerungsspitzen sind geringer, der Schwellenwert wird nicht erreicht. In diesen Fällen bietet der Sicherheitsgurt allein ausreichend Schutz.

Welche Schweregrade gibt es bei der Auslösung?

Moderne Airbag-Steuergeräte kategorisieren Unfälle in vier Schweregrade und passen die Auslösung entsprechend an. Bei leichten Unfällen bleiben die Airbags inaktiv, bei schweren Crashs werden beide Stufen gezündet – für maximalen Insassenschutz.

Schweregrad Unfallart Reaktion
Grad 0 Leichter Unfall Keine Auslösung – Gurt reicht aus
Grad 1 Mittlerer Unfall Mögliche Auslösung der 1. Stufe
Grad 2 Schwerer Unfall Auslösung der 1. Stufe
Grad 3 Sehr schwerer Unfall Auslösung beider Stufen

Zweistufige Airbags füllen sich beim ersten Schweregrad langsamer – das ist für den Insassen schonender. Bei einem sehr schweren Aufprall wird der Airbag schneller und mit vollem Volumen aufgeblasen.

Wie schnell reagiert der Airbag?

Der Fahrer-Airbag wird innerhalb von 30 Millisekunden nach dem Aufprall ausgelöst und ist nach 55 Millisekunden vollständig aufgeblasen. Der Beifahrer-Airbag folgt 10 Millisekunden später, da der größere Abstand zum Armaturenbrett mehr Zeit erlaubt.

Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert etwa 300 Millisekunden. Der Airbag ist also in einem Bruchteil eines Lidschlags einsatzbereit. Diese extreme Geschwindigkeit ist nur durch den Gasgenerator möglich, der den Airbag in Millisekunden füllt.

Unterschiede bei Front-, Seiten- und Kopfairbag

Die Auslösebedingungen unterscheiden sich je nach Airbag-Typ grundlegend. Frontairbags reagieren auf Verzögerungssensoren, Seitenairbags auf Drucksensoren in den Türen und Kopfairbags schützen bei Seiten- und Überschlagunfällen.

  • Frontairbag: Beschleunigungssensoren, Auslösung bei Frontalaufprall ab ca. 25 km/h Differenzgeschwindigkeit
  • Seitenairbag: Drucksensoren in den Türen, schnellere Auslösung nötig (weniger Knautschzone)
  • Kopfairbag (Curtain): Kombination aus Druck- und Beschleunigungssensoren, schützt auch bei Überschlag
  • Knieairbag: Gleiche Sensorik wie Frontairbag, schützt Beine vor dem Armaturenbrett

Häufige Fragen zur Airbag-Auslösung

Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Auslösung von Airbags.

Kann der Airbag bei einem Schlagloch auslösen?

Nein. Das Safing-Sensor-System und die Plausibilitätsprüfung verhindern Fehlauslösungen. Ein Schlagloch erzeugt keine ausreichende Verzögerung in Fahrtrichtung und wird vom Algorithmus nicht als Crash erkannt.

Löst der Airbag bei jedem Unfall aus?

Nein. Bei leichten Unfällen (Schweregrad 0) bleibt der Airbag inaktiv, da der Sicherheitsgurt ausreichend schützt. Erst ab einer bestimmten Aufprallhärte wird die Auslösung notwendig.

Was passiert mit dem Steuergerät nach einer Auslösung?

Das Airbag-Steuergerät speichert die Crash-Daten und sperrt sich. Es muss anschließend repariert oder ausgetauscht werden. Spezialisierte Betriebe können die Crash-Daten löschen und das Steuergerät wieder funktionsfähig machen.

Kann ein Airbag ohne Unfall auslösen?

Extrem selten, aber möglich – etwa bei einem defekten Sensor oder einem Kurzschluss. Deshalb ist es wichtig, die Airbag-Warnleuchte ernst zu nehmen und sofort prüfen zu lassen.


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